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Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern

Dekanatsbezirk Rügheim

Evang.-Luth. Dekanat – Pfarrgasse 7 – 97461 Hofheim in Unterfranken

 

Impressum

Reformationsjubiläumsjahr 2017!

Was feiern wir Evangelischen da eigentlich? Was sollen / dürfen wir feiern? Und: Wer feiert mit?

„Wir feiern doch nicht mit euch 500 Jahre Kirchen-spaltung“ haben vor einigen Jahren schon Vertreter der kath. Kirche gesagt. Aber dann hat eine internationale ökumenische Studienkommission im Jahr 2014 das Dokument „From Conflict to community – vom Konflikt zur Gemeinschaft“ veröffentlicht, das sich die Bischofskonferenz und die EKD zu eigen gemacht haben. Seitdem haben sich die beiden Konfessionen weiter angenähert und wollen sich gemeinsam an die Reformationszeit und ihre Folgen erinnern.

Seit dem zweiten Reichstag in Speyer 1529 haben wir „unseren Namen“:  Die Protestanten! Und unsere Kirche heißt oft „die protestantische Kirche“.

Viel lieber aber nennen wir uns die „Evangelischen“. Und zu unserer Kirche sagen wir „Evangelische Kirche in Deutschland – EKD“.

Das hängt mit der zentralen Entdeckung unseres Kirchenvaters Dr. Martin Luther zusammen. Eine Entdeckung, die zu den berühmten 95 Thesen geführt hat, die er im Oktober 1517 als Theologieprofessor in Wittenberg verfasst hat. Wir werden uns erinnern lassen an Luthers Wiederentdeckung des Evangeliums von Jesus Christus, die zu diesen Thesen geführt hat.

Deswegen heißt die These Nr. 62:

Der wahre Schatz der Kirche ist das allerheiligste Evangelium von der Herrlichkeit und der Gnade Gottes.

„Wie kann ich den allmächtigen Gott gnädig stimmen, damit er mich nicht verdammt und in die Hölle schickt?“ Diese Frage hatte ihn schon lange beschäftigt und gequält. Als Antwort darauf war er sogar Mönch geworden und ins Kloster gegangen.

Aber dann hat er den Römerbrief des Apostels Paulus genauer studiert und ernst genommen, was dort steht: „Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.“ (Röm 3, 23+24). Gott ist uns Menschen von sich aus gnädig, ohne dass wir dies verdienen könnten oder müssten. Durch Jesus Christus vergibt er uns unsere Schuld, erlöst uns von dem Bösen. Diese Erkenntnis hat Luthers Glauben, sein Leben, seine Theologie und die Welt um ihn herum verändert. Gott ist nicht der Richter der Welt, sondern der Retter der Welt. Gerecht vor Gott werden wir Menschen nicht durch unsere eigenen Werke, sondern durch den Glauben an Jesus Christus. In vielen Predigten, Schriften und Vorlesungen hat Luther diese Entdeckung später erklärt und entfaltet. In der Theologie sagen wir „Rechtfertigungslehre“ dazu. Sie hat dazu geführt, dass auch in der kirchlichen Tradition der allmächtige Gott, unser himmlischer Vater, uns Menschen wieder näher gekommen ist, weil er jetzt so verkündigt wird, wie es in der Bibel steht, und weil dadurch unser Glaube nun nicht mehr von der Angst vor ihm geprägt ist, sondern vom Vertrauen auf ihn.

In den Bekenntnisschriften unserer evangelischen Kirche ist diese Wiederentdeckung des Evangeliums zur wichtigsten Grundlage überhaupt geworden. In der „Confessio Augustana“, dem evangelischen Bekenntnis, das für den Augsburger Reichstag 1530 verfasst wurde, heißt es im 4. Artikel: „Weiter wird gelehrt, dass wir Vergebung der Sünde und Gerechtigkeit vor Gott nicht durch unser Verdienst, Werk und Genugtuung erlangen können, sondern … vor Gott gerecht werden aus Gnade um Christi willen durch den Glauben …“

Allein aus Gnade spricht Gott uns gerecht, allein Jesus Christus ist die Verbindung zwischen Himmel und Erde, allein der Glaube zählt in unserer Beziehung zum allmächtigen Gott, und allein die Bibel ist die Grundlage für die kirchliche Lehre. Diese vier „alleins“ (auf Latein: „soli“, also: Solus Christus, sola gratia, sola fide und sola scriptura) sind zu den Schlagworten der Reformation und zu den Grundpfeilern der evange-lischen Kirche geworden.

Genau das wollen wir in diesem Jubiläumsjahr 2017 feiern! Das dürfen wir auch. Das müssen wir sogar. Denn in einer Gesellschaft, in der der christliche Glaube immer mehr in Frage gestellt wird und für immer mehr Menschen belanglos zu sein scheint, wird es für die Kirche immer wichtiger, das Evangelium von Jesus Christus in Wort und Tat zu verkündigen, und natürlich auch zu feiern!

Und mit der katholischen Kirche sind wir uns einig: Wir können das im Sinne eines ökumenischen Christusfestes gemeinsam tun. Denn das Bekenntnis zu unserem Herrn Jesus Christus ist die größte gemeinsame Grundlage der beiden großen Kirchen.

Hier im Landkreis haben wir so ein Christusfest schon mit einander gefeiert, nämlich am Ostermontag in der Mittelschule in Hofheim. Es war trotz schlechtem Wetter ein schönes Fest, an das die ca. 400 Gäste und Mitwirkenden noch lange und gerne denken werden.

Noch eine andere Gedenkveranstaltung ist geplant, wozu ich Sie alle herzlich einlade:

Am Reformationstag selbst, also am 31.10.17, findet in Coburg, unserer bayerischen Lutherstätte, ein kirchenkreisweiter Kirchentag statt, mit einem viel-fältigen und bunten Programm für alle Altersgruppen. Zwei ökumenische Gottesdienste – am Vormittag mit dem kath. Erzbischof Dr. Schick und der evang. Regionalbischöfin Dr. Greiner, und am Abend mit dem anglikanischen Bischof Warner aus Chichester bilden die Schwerpunkte dieses Tages. Im Dekanat Rügheim laden wir an diesem Tag zu einer „evangelischen Pilgerfahrt“ ein: Wir beginnen am Vormittag mit dem Gottesdienst beim Coburger Kirchentag, wo alle, die mitmachen wollen, bis zur Mittagszeit bleiben können. Dann folgen wir dem sog. „Amtsbotenweg“, auf dem Luther im Jahr 1518 auf dem Weg nach Heidelberg von Coburg nach Königsberg zum damaligen hiesigen Augustinerkloster gereist ist. Die Mitte des Amtsbotenweges ist Altenstein, wo am frühen Nachmittag eine Andacht stattfinden wird, die mit Glockengeläut um 15.17 Uhr endet. Am späten Nachmittag findet dann eine Andacht in der Königsberger Marienkirche statt. Georg Büttner, der letzte Prior des Augustinerklosters in Königsberg und erster evang. Pfarrer in Rügheim, schlägt die Brücke zur vierten Station, zum Abendgottesdienst in der Dekanatskirche mit anschließendem Empfang, der nächstes Jahr besonders festlich gestaltet wird. Alle sind herzlich eingeladen, diese Pilgerfahrt ganz oder teilweise mitzumachen. Die Themen dieser vier Stationen werden natürlich die vorhin genannten vier Grundaussagen der Reformation sein: „allein Christus, allein die Gnade Gottes, allein der Glaube“ und „allein die Heilige Schrift“!

Das ganze Jahr über finden auch in unseren Kirchengemeinden viele Veranstaltungen zum Jubiläum statt, auf die ich an dieser Stelle ausdrücklich hinweisen und herzlich dazu einladen möchte. Alle Veranstaltungen, die uns gemeldet werden, sind in einem „Jubiläumskalender“ auf der Internetseite des Dekanates veröffentlicht.

Ein letzter Gedanke: Luther und die Reformatoren haben sehr früh erkannt, wie wichtig die Kirchenmusik für die Prägung des Glaubens ist. Schon Luther selbst hat einige Volkslieder seiner Zeit mit christlichen Texten versehen, damit sich die Gemeinde durch das Mitsingen im Gottesdienst die Inhalte einprägen kann. Zu allen wichtigen Glaubensinhalten gibt es bis heute Luthers Lieder in unserem Gesangbuch. Kirchenmusik ist in der evang. Kirche nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern ein wichtiger Teil der Verkündigung, also der Kernaufgabe. Deshalb gibt es in der Geschichte unserer Kirche so berühmte Komponisten wie Johann Sebastian Bach. Und deshalb gibt es auch bei der „Kirchenmusik in den Haßbergen“ Konzerte zum Jubiläum (zu finden ebenfalls auf unserer Internetseite).

Also: Feiern wir dieses Jubiläum! Und alle, die mitfeiern wollen, sind herzlich dazu eingeladen!

Ihr Dekan Jürgen Blechschmidt