Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern

Dekanatsbezirk Rügheim

Evang.-Luth. Dekanat – Pfarrgasse 7 – 97461 Hofheim in Unterfranken

 

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Evangelische und katholische Christen feiern gemeinsam

Aus Anlass des diesjährigen Reformationsjubiläums veranstalteten die beiden Dekanate ein gemeinsames Christusfest in der großen Sporthalle der Mittelschule Hofheim, zu dem Pfarrer Hans-Christian Neiber über dreihundert Gäste beider Konfessionen begrüßen konnte. Den zentralen Teil der Veranstaltung bildete die Dialogpredigt zwischen dem katholischen Dekan Stephan Gessner und seinem evangelischen Kollegen Jürgen Blechschmidt, zu der Landrat Wilhelm Schneider meinte, sie sei „herzerfrischend, aufrichtig und offen“ gewesen. Die musikalische Ausgestaltung lag in den Händen von Jürgen Koch, der den Bezirksposaunenchor leitete, Matthias Göttemann mit der Kantorei Haßberge und den „Praising People“ unter dem Dirigat von Bernd Schmidt.

Während die Erwachsenen das ökumenische Christusfest in der großen Sporthalle feierten, trafen sich die Kleinen zu einem gesonderten Gottesdienst in der kleinen Sporthalle. Dort hörten auch sie die Geschichte von den Emmausjüngern, sangen Lieder dazu und gestalteten die biblische Erzählung unter Anleitung von Diakon Robert Hager und seinem Team mit Bastelarbeiten.

Sonnen-Aktion

Nach der Begrüßung und gemeinschaftlich gesungenen Liedern erwartete die Anwesenden ein erster Höhepunkt, nämlich die sogenannte Sonnen-Aktion. Hier waren die Gemeinden der Dekanatsbezirke aufgerufen, Fotos von ökumenischen Veranstaltungen mitzubringen und auszuführen, wie diese in der jeweiligen Kirchengemeinde durchgeführt werden. Die Gemeindevertreter berichteten beispielsweise von gemeinsamen Alltagsexerzitien, Bibelwochen, Chorgemeinschaften und Gottesdiensten, aber auch von Waldweihnachtsfeiern, Partnerschaften sowie Glaubenskursen. Diese Bilder wurden an eine große Oster-Sonne geheftet, sodass „ein reiches Potpourri an ökumenischen Unternehmungen aufgezeigt wurde, die wir nicht missen wollen“, so Pfarrer Neiber.

Die Lesung hatte die Emmausjünger-Geschichte zum Thema; das Lied „Herr, bleibe bei uns“ – dargebracht von der Kantorei – nahm direkten Bezug auf diesen Auferstehungsbericht, wie er vom Evangelisten Lukas aufgezeichnet worden war.

Dialog-Predigt

Nun folgte die mit Spannung erwartete Dialog-Predigt zwischen Jürgen Blechschmidt und Stephan Gessner. Im ersten Teil sprachen die beiden schwerpunktmäßig an, was vor 500 Jahren zur Kirchenspaltung geführt und wie man sich gegenseitig in Wort und Bild verleumdet hat. In lockerer Weise warfen die Prediger mit Zitaten aus der damaligen Zeit um sich, mussten aber unumwunden zugeben, dass sich keine der beiden verfeindeten Seiten mit Ruhm bekleckert hatte. Auch in der Gegenwart gibt es immer noch Unterschiede zwischen den Konfessionen – Dekan Gessner sprach die Heiligen- und Marienverehrung in der Frömmigkeitstradition an, Blechschmidt verteidigte die evangelische Haltung in dieser Frage.

Nach der Verlesung eines Abschnittes aus dem Johannesevangelium sahen sich die beiden Dekane ermuntert, „ein paar Schritte aufeinander zuzugehen“ – was sie nicht nur in Worten und Gedanken, sondern im wahrsten Sinne des Wortes auch taten. Nun war es an der Zeit, nach dem Trennenden das Verbindende der Konfessionen herauszustellen, denn „die Kirchen haben sich in den letzten Jahren aufeinander zubewegt“ (Gessner). An Gemeinsamkeiten fanden sie rasch das Glaubensbekenntnis an den dreieinigen Gott, den Glauben an Jesus Christus, dessen Kreuzestod und Auferstehung, die Heilige Schrift usw. Die Sonne aus der oben genannten Aktion veranlasste beide, noch näher aufeinander zuzugehen, ja schließlich so weit, dass sie am Ende einträchtig nebeneinander standen und als Höhepunkt gemeinsam zum Altar schritten.

Grußworte

Nach Glaubensbekenntnis, Vaterunser und Segen war Gelegenheit zu Grußworten. Landrat Wilhelm Schneider gab seiner Freude darüber Ausdruck, „dass das Reformationsjubiläum in unserem Landkreis von beiden Dekanaten zum Anlass genommen wird, um ganz bewusst evangelische und katholische Christen zusammenzubringen ... denn unsere beiden Kirchen verbindet im Grunde mehr als uns trennt“.

Der Bürgermeister der Stadt Hofheim Wolfgang Borst ergänzte die Ausführungen seines Vorredners, indem er betonte: „Wir müssen nach außen Signale setzen, die zeigen, dass Ökumene praktiziert wird, denn wir Christen haben die Verpflichtung in der Welt unsere Positionen zu sichern.“

Christusmonogramm

Bevor Besucher, Geistliche und Helfer zum geselligen Teil übergehen konnten, traf man sich im Außenbereich, um in einer Gemeinschaftsaktion das Christusmonogramm mit Personen darzustellen. Der dafür zunächst vorgesehene Platz war durch Regen- und Schneefälle nicht mehr für dieses Unternehmen geeignet. Schließlich hatten die Verantwortlichen dennoch einen passenden Standort gefunden, wo die Operation stattfinden konnte. Vom Korb der Feuerwehrdrehleiter aus „dirigierte“ Dekan Blechschmidt die Personengruppen seinen Vorstellungen entsprechend, bis das Christusmonogramm aus luftiger Höhe erkennbar wurde.

Die Besucher konnten nach dieser erfolgreichen Aktion in der Aula noch gemütlich beisammen sitzen, um sich bei Kaffee und Kuchen, Gegrilltem und diversen Getränken über das wirklich gelungene „Ökumenische Christusfest“ auszutauschen.

Text und Fotos incl. Collage
Jens Fertinger