Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern

Dekanatsbezirk Rügheim

Evang.-Luth. Dekanat – Pfarrgasse 7 – 97461 Hofheim in Unterfranken

 

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Dekanatsempfang am 31. Oktober

„Diakonie in Kirche und Gesellschaft“

Am Gedenktag der Reformation hatte das Evang.-Luth. Dekanat – wie schon seit Jahrzehnten üblich – zu einem Festabend eingeladen, der zum einen den Gottesdienst mit Referat, zum anderen einen Empfang mit Grußworten und Ehrung verdienter Mitarbeiter beinhaltet. Musikalisch wurde der Gottesdienst umrahmt und ausgestaltet durch den Bezirksposaunenchor unter der Leitung von Jürgen Koch und von Dekanatskantor Matthias Göttemann an der Orgel. Den liturgischen Teil übernahmen in bewährter Weise neben Dekan Jürgen Blechschmidt die beiden Synodalpräsidenten Gisela Schott und Gerhard Koch.

In seinem geistlichen Impuls ging Blechschmidt auf einen Abschnitt aus dem Römerbrief ein, bei dem es schwerpunktmäßig um die Nächstenliebe geht, wie überhaupt für den Apostel Paulus christlicher Glaube und Dienst am Mitmenschen untrennbar zusammengehören. Ähnlich beschreibt es Dr. Martin Luther in seinem Werk „Von der Freiheit eines Christenmenschen“, aus dem die beiden oft zitierten bekannten Kernsätze „Ein Christenmensch ist ein freier Mensch und niemandem untertan“ bzw. „Ein Christenmensch ist ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan“ stammen. Im Weiteren zitierte der Prediger aus dieser Schrift „Gute, fromme Werke machen nimmermehr einen guten, frommen Mann, sondern ein guter, frommer Mann macht gute, fromme Werke“. Der Dienst am Nächsten ist somit keine Bedingung, sondern eine Folge christlichen Glaubens, so die abschließenden Gedanken von Dekan Blechschmidt.

Der Referent des Abends, Pfarrer Jochen Keßler-Rosa – Vorstand und Geschäftsführer des Diakonischen Werkes Schweinfurt sowie stellvertretender Vorsitzender des Diakonischen Rates Bayern – bezog sich in seinen Ausführungen auf zwei wichtige Fragen: 1. Was prägt unser Handeln? Ist es Innere Mission und Barmherzigkeit oder wirtschaftliches Handeln mit christlichen Wurzeln? und 2. Will Diakonie eher Partnerin und Auftragsnehmerin der öffentlichen Hand sein oder freie Unternehmerin auf dem Markt der Sozialwirtschaft?

Einerseits erkennen wir die Grundlage der Diakonie als „gelebte Nächstenliebe im Auftrag Jesu Christ und aus dem Glauben heraus“, andererseits sind die Erwartungen der Menschen schneller noch als die Lebenserwartung gestiegen. Mit der Entwicklung der Sozialgesetze ging die von entsprechenden Versicherungen einher. Zunächst bestand da die Idee, Diakonie und Caritas setzen auf Ehrenamt, Nachbarschaftshilfe und den freiwilligen Dienst von Ordensfrauen und überlassen das, was wir nicht schaffen, dem freien Markt. Dann aber setzte sich mehr und mehr die Erkenntnis durch, dass man sich „die gute Tat auch mit gutem Geld“ (Keßler-Rosa) vergelten lassen kann. Dieser Gedanke hat sich inzwischen verselbstständigt und „unter dem Kreuz bzw. dem Kronenkreuz sind Unternehmen entstanden, die in ihren Arbeitsweisen nicht leicht zu unterscheiden sind von privat-gewerblichen Unternehmen“, so der Referent wörtlich.

Diese Fragen bleiben: Welchen Weg soll die Diakonie gehen? Soll sie Pflegeheime privatisieren und zurück zu ihren Wurzeln finden? Oder geht es um eine Verselbstständigung mit Verzicht auf kirchliche Logos und auch auf entsprechende Kirchensteuerzuschüsse? Keßler-Rosa gibt zu bedenken, dass sich Diakonie immer dort besonders engagiert, wo die öffentliche Hand nicht ausreichend tätig ist, z. B. in der Sterbebegleitung, Obdachlosen-, Flüchtlings- und Nachbarschaftshilfe.

Der Referent stellt fest: „Diakonie sollte im eigenen und auch im Interesse der Kirche christlich profilierter und kirchlicher werden; gleichzeitig muss ein Weg gefunden werden, die von der öffentlichen Hand geforderte Neutralität neu zu verhandeln. Dies gilt in besonderer Weise dann, wenn die öffentliche Hand verhindert, dass auch im öffentlichen Raum kirchliche Träger offen benannt werden.“ Bei den Kernbereichen Alten-, Jugend- und Behindertenhilfe wurde in der Diakonie viel geleistet und in dieser Arbeit sollte auch immer ein qualitativer Unterschied offenkundig sein und zwar im Sinne der Nächstenliebe und der spürbaren Uneigennützigkeit. Keßler-Rosa stellte klar heraus: „Wir nehmen nur dann Geld vom Staat oder den Versicherungen, wenn wir unser christliches Profil leben und zeigen können. Den Status eines Wohlfahrtsverbandes sollten wir im Zweifel sogar aufgeben, um nicht Gefahr zu laufen, einen Auftrag ausführen zu müssen, zu dem wir als Christen nicht voll und ganz stehen können.“ Für die weitere Entwicklung braucht Diakonie die Unterstützung durch Kirchengemeinde, Dekanate und Kirchenkreise sowie eine enge Kooperation mit den Kommunen. Um die vielfältigen Aufgaben auch in Zukunft schultern zu können, braucht es immer wieder und vermehrt Spenden, Erbschaften und kirchliche Mittel.

Grußworte

Nach dem Gottesdienst versammelten sich die Gäste im Martin-Luther-Haus, um Grußworte zu hören und der Ehrung verdienter Mitarbeiter beizuwohnen. Eingangs hieß Dekan Blechschmidt alle anwesenden Vertreter aus Politik, Schule, Gesellschaft, Diakonie und Kirche willkommen. Sein besonderer Gruß galt in diesem Zusammenhang dem „politischen Urgestein“ Staatssekretär a. D. Albert Meyer und Landrat a. D. Rudolf Handwerker, die zu den langjährigen Gästen dieser Veranstaltung zählen, sowie den beiden Landessynodalen Traudi Wießler und Robert Glenk.

Landrat Wilhelm Schneider schlug einen Bogen zu den Ausführungen von Dekan Blechschmidt bzw. Pfarrer Keßler-Rosa und zeigte sich erfreut darüber, „dass es bei uns im Landkreis sehr viele engagierte Menschen gibt, die christlichen Glauben leben und in Taten umsetzen, Verantwortung übernehmen, Haltung zeigten, sich mutig einbringen und in ihrem Alltag Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe praktizieren“. Schneider nahm die Gelegenheit wahr, all jenen zu danken, die tagtäglich in den diakonischen Einrichtungen arbeiten und dabei in ganz besonderer Weise mithelfen, die Welt ein Stück besser zu machen. Er wünschte abschließend für die vielfältigen Aufgaben und Herausforderungen, vor denen Kirche und Diakonie stehen, alles Gute, vor allem viel Kraft zu dem wertvollen Engagement.

Bürgermeister der Stadt Hofheim Wolfgang Borst strich die Dorfgemeinschaft Rügheim lobend heraus, die in vorbildlicher Weise die Aufgaben von Kirche und Gesellschaft verbindet. In einer Zeit, wo Werte verloren gehen ist soziales Engagement umso mehr gefragt. Und, obwohl es uns so gut geht wie nie zuvor, breitet sich Unzufriedenheit stärker als je zuvor aus. Da sich seiner Meinung nach Kirche durch das soziale Engagement definiert, ist es wichtig, dass man sich gerade um die Schwachen in der Gesellschaft kümmert, denn gerade diese brauchen unsere volle Unterstützung.

Den Nachbarkirchenkreis Hildburghausen-Eisfeld vertrat Judith Jurgiet-Priesch und verband die Grüße des Kreiskirchenrats mit der Verlesung des Tagesspruches für den Reformationstag. – Seitens der katholischen Kirche sprach der Vorsitzende des Caritasverbandes Haßberge Johannes Simon zu den Anwesenden. Er stellte in seinem Grußwort fest: „Diakonie ist das, was wir am Menschen als Kirche insgesamt – trotz konfessioneller Unterschiede – tun können und tun sollen!“

Ehrungen

Im Mittelpunkt des Dekanatsempfangs stehen traditionell die Ehrungen verdienter und langjähriger Mitarbeiter. Gerade diejenigen, welche 25 bzw. 50 Jahre im Dienste der Kirche ehrenamtlich tätig sind, sollen bei dieser Gelegenheit ausgezeichnet werden. Acht Personen standen zur Ehrung an, von denen sieben anwesend waren und die jeweilige Urkunde sowie die Tontafel mit dem Segenswunsch des Dekanats und dem Siegel des Lammes erhielten.

Karin Meyer-Jungclaussen (KG Ebern und Jesserndorf) betätigt sich seit 25 Jahren als nebenamtliche Organistin und bringt sich besonders bei der Durchführung und Planung von Konzerten ein. Gudrun Geier (KG Hofheim-Lendershausen-Eichelsdorf) bekleidet seit einem Vierteljahrhundert das Amt der Mesnerin und ist zudem “kleiner Kirchenpfleger“ in ihrer Gemeinde. Kerstin Geuß und Manfred Stubenrauch (beide KG Dörflis) sind seit 25 bzw. 50 Jahren aktive Mitglieder im Posaunenchor. Elke Niklaus (Oberlauringen) bekleidet seit 25 Jahren das Amt einer Kirchenvorsteherin und Ilse Rödel (KG Rentweinsdorf) ist genauso lange als Leselektorin tätig. Schließlich wirkt Liselotte Fertinger (Kirchengemeinde Ditterswind) seit 25 Jahren im Team der Dekanatsfrauen mit. – Nicht teilnehmen konnte Carolin Koch (Thundorf).

Jens Fertinger

 

Fotos: Jens Fertinger